Autor Thema: Fair trade oder Fairarscht?  (Gelesen 3335 mal)

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Nescius

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Re: Fair trade oder Fairarscht?
« Antwort #15 am: 19. Januar 2012, 20:11 Uhr »
Deine Frage kann ich, so eng wie du sie fasst, nicht beantworten.
Warum? Die Frage ist doch ziemlich spezifisch. Du kannst allerdings sagen, dass Du gerne erweiternd antworten möchtest. ;)[/size]

Der Knackpunkt ist der: Der Kauf der Produkte verursacht durch entsprechende Medienberichte moralisches Unbehagen. Dieses wurde früher durch Spenden befriedigt. Es ist eine Art von Convenience, wenn die Spende bereits im Produkt enthalten ist und durch den Kauf der Ware das moralische Unbehagen bereits aufgelöst werden kann (vor allem, weil der Bauer oder die Bäuerin auf der Rückseite des FT-Tees so herzerwärmend lächelt). Es spart die Überweisung an Brot-für-die-Welt, wenn man so will. Aber Fair Trade und Bio sind auch nur Absatzmechanismen, die aus derselben Spannung und aus denselben Gründen entstehen, die dazu führen, dass die Armen im der dritten Welt arm bleiben: Konkurrenzdruck und Akkumulation. Auch für Fair Trade gilt: maximaler Profit, also minimale Ausgaben mit maximalem Gewinn, also möglichst günstige Produktion des Zusatznutzen "Ethik" und der nötigen Werbung. Je größer dabei die Unternehmen wird und je weiter sich Fair Trade verbreitet, desto geringer werden die Stückkosten. Das heißt wiederum, dass mit einer gewissen Verbreitung die Ideale hinter Fair Trade, die ich bei den AkivistInnen dahinter wirklich annehme, mehr und mehr ausgehölt werden. Bei Bio-Produkten ist das durch das staatliche Biosiegel bereits geschehen, dessen Kriterien sehr gering sind und sich auf kostengünstig zu erreichende Anforderungen beschränkt. Der Konsum dieser Waren trägt also nicht oder nur marginal zur Verbesserung der Umwelt oder, bei FT, der Lebenssituation der Bauern und Bäuerinnen bei.
Ja, das ist richtig. Darum schließe ich mich im Grunde Zizek an: Fair Trade ist nicht schlecht oder per se abzulehnen. Aber FT ist nur dort möglich, wo Ausbeutung und Ungleichheit schon immer gegeben sind. Das Problem ist nicht der (Ver-)Kauf von FT-Produkten, sondern deren Existenz. Was ist die Alternative? Auf der Handlungsebene ist es der Kauf regionaler Produkte (bzw. der Verzicht auf überregionale Produkte, soweit das möglich ist) und die Wahl von Parteien, die sich gegen die durch den Status quo legitimierte Ungleichheit aussprechen.