Autor Thema: Sterbehilfe / Euthanasie  (Gelesen 2880 mal)

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Offline PinkiePie

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Sterbehilfe / Euthanasie
« am: 23. Januar 2012, 22:21 Uhr »
[Abgetrennt aus dem Thread "Rattenhaltung - Fragen und Probleme" - Nescius]


Hm, ich finde es unmöglich, dass man in D noch immer nicht wirklich legal seinem Leben ein Ende machen darf, wenn man unheilbar krank im Endstadium ist und nicht mehr leiden möchte.
Habe letzten Dienstag zum Thema gelernt, dass man Angehörigen ohne Chancern auf Heilung und mit keinem weiteren Lebenswillen Medikamente mitbringen darf. Diese dürfen vor den Augen des Überbringers genommen werden, aber dieser muss dann gehen um sich nicht strafbar zu amchen, wenn er nicht hilft... Grausam, dass man dann alleine sterben muss, wenn man seine Angehörigen nicht in Teufelsküche bringen möchte :(

Meine Großeltern hatten veranlasst, dass sie nicht wiederbelebt werden. meine Großmutter wurde gegen ihren Willen wiederbelebt. Der Zustand, in dem sie danach war, war das was sie unter allen Umständen verhindern wollte. Sie war eine sehr stolze Frau und das war nicht ihr Wille...

Ich finde diese Unterscheidung ganz furchtbar und wäre für eine Gesetzesänderung. Für den Mensch, kann der Mensch bestimmen. Entweder eigenständig indem eine Patienverfügung auch eingehalten wird oder man demjenigen, dem man im Falle geistiger Probleme usw. die Vollmacht übergibt klare Richtlinien diktiert.
Für usnere Tiere müssen wir entscheiden. Das ist hart, da wir sie nicht fragen können. Deshalb bin ich da für eine Entscheidung von Fall zu Fall (wie beim menchen eigentlich auch). Das schlechte Gefühl bleibt, aber das entbindet mMn nicht von der Verantwortung für Schutzbefohlene, egal ob Mensch oder Tier.

« Letzte Änderung: 24. Januar 2012, 20:33 Uhr von Nescius »


Das Glück, das dir am meisten schmeichelt,
betrügt dich am ehesten.

Franz Kafka

Ralik

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Re: Re: Rattenhaltung - Fragen und Probleme
« Antwort #1 am: 23. Januar 2012, 23:24 Uhr »
Zitat von: PinkiePie
Meine Großeltern hatten veranlasst, dass sie nicht wiederbelebt werden. meine Großmutter wurde gegen ihren Willen wiederbelebt.

Das ist furchtbar, dass das, was Menschen wollen und für sich festlegen, nicht akzeptiert wird.

Ich kenne auch umgekehrte Fälle: Eine alte Frau, die ins Koma fiel. Sie hatte viele Kinder, auch Ärzte darunter, die sich übrerwiegend dafür aussprachen, die Geräte abzustellen, nur ein oder zwei Kinder waren dagegen - es gab keine Patientenverfügung. Die Ärzte weigerten sich und die Patientin erwachte nach einigen Wochen wieder. Sie hatte einen leichten Hirnschaden, war aber z.B. noch in der Lage Kreuzworträtsel zu lösen. Sie lebte noch ca. 5 Jahre in einem Altenheim.

Das ist sicher ein Extremfall, aber wer will da eine Entscheidung treffen?

Aus den Niederlanden habe ich gehört, dass es "Firmen" gibt, die bei entsprechendr Bezahlung sofort vorbei kommen und gucken, ob Oma oder Opa ne Tablette verpasst werden könnte... Bei Zulassung von Euthanasie entwickelt sich bestimmt auch sofort eine Grauzone...

Ebenso ist es umgekehrt krass bei Menschen, die schwerst und unheilbar krank sind und aus dem Leben scheiden möchten und nicht können und nicht dürfen...

Ein wunderschöndr Film zum Thema: Das Meer in mir

Vielen Dank von


Offline AlterGeist

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Re: Re: Rattenhaltung - Fragen und Probleme
« Antwort #2 am: 24. Januar 2012, 07:32 Uhr »
Als erstes drücke ich deinen Schneckchen ganz dolle die Daumen!!! *drück*drück*drück*

Zum anderen Thema habe ich einen Einwurf zu machen:
Vermutet mal auf blauen Dunst, wie viel Geld zu verdienen ist, wenn man betroffene Menschen möglichst lange am Leben erhält. Die Kosten entwickeln sich bestimmt mit dem Fortschreiten von Krankheiten, bzw. der Verschlechterung des Zustandes nach oben - Medikamente, Betreuung, Einsatz von Geräten, was-weiß-ich ... und dann vergleicht das mal damit, was ein nach Wunsch des Patienten herbeigeführter Tod für einen finanziellen Verlust darstellt.
Allein deswegen scheint es mir heute unmöglich, dass dieses Thema in D überhaupt zum Wohle von Patienten diskutiert werden wird.
Leider.

Offline Celsus

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #3 am: 06. März 2012, 21:59 Uhr »
Zitat
Hm, ich finde es unmöglich, dass man in D noch immer nicht wirklich legal seinem Leben ein Ende machen darf, wenn man unheilbar krank im Endstadium ist und nicht mehr leiden möchte.
Da stimme ich dir voll zu, dieser Zustand ist mehr als traurig. Finde man sollte auch diejenigen mit einbeziehen die aus anderen Gründen gehen möchten, sie müßten dann nicht vor den Zug springen.


Zitat
Diese dürfen vor den Augen des Überbringers genommen werden, aber dieser muss dann gehen um sich nicht strafbar zu amchen, wenn er nicht hilft... Grausam, dass man dann alleine sterben muss, wenn man seine Angehörigen nicht in Teufelsküche bringen möchte

Soweit ich weiß, ist der Tatbestand Tötung auf verlangen nicht erfüllt sofern, die Person selbst die Tabletten einimmt. :kratz:
In einer humanen Welt dürfte es selbst dann keine Tierfolterei durch die Wissenschaft mehr geben, wenn es begründete Hoffnungen auf echte Fortschritte durch quälende Tierversuche für die Krebsbekämpfung gäbe. Aber nichteinmal das gibt es.
Prof. Julius Hackethal

Anticrik

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #4 am: 07. März 2012, 20:16 Uhr »
Habe letzten Dienstag zum Thema gelernt, dass man Angehörigen ohne Chancern auf Heilung und mit keinem weiteren Lebenswillen Medikamente mitbringen darf. Diese dürfen vor den Augen des Überbringers genommen werden, aber dieser muss dann gehen um sich nicht strafbar zu amchen, wenn er nicht hilft... Grausam, dass man dann alleine sterben muss, wenn man seine Angehörigen nicht in Teufelsküche bringen möchte :(

Soweit ich weiß, ist der Tatbestand Tötung auf verlangen nicht erfüllt sofern, die Person selbst die Tabletten einimmt. :kratz:

Die sog. "Beihilfe zur Selbsttötung" ist tatsächlich in D nicht strafbar -da die Medikamente, die zum Suizid verwendet werden, allerdings nicht ärztlich verordnet werden dürfen, macht man sich im Sinne des AMGs bzw. BtMGs strafbar. Desweiteren können z.B. Angehörige, die zur "Tatzeit" anwesend sind, nach §323c StGB wegen unterlassener Hilfeleistung bzw. sogar wegen Totschlag oder Mord durch Unterlassen belangt werden, sofern keine eindeutige Willensäußerung -bspw. ein beglaubigtes Testament- vorliegt. (siehe §§13, 211f StGB)

Offline #Tüte

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #5 am: 07. März 2012, 22:27 Uhr »
Man kann von niemandem der locked-in-Syndrom-mäßig potenziell auf ewig so "leben" muss, erwarten auf solche Weise zu weiterzumachen bis das Herz aufhört zu schlagen, Gesetzt hin oder her. Da wäre eine Gruppe von Anonymous-Euthanasierern vielleicht Mal eine tolle Idee, die in solchen Fällen auf Bestellung aktiv werden.

Alle anderen können es auch so schaffen. Es gibt diverse Möglichkeiten schmerzfrei ins Gras zu beißen und man kann dabei immer noch auf einen niveauvollen, sauberen Abgang setzen, wie es bspw. bei Turmspringen, Brückenspringen mit Option auf Ertrinken, etc. nicht der Fall wäre.
http://deutsche-mitte.de
http://tinyurl.com/xy9313
ส็็็็็็็็็็็็็็็็็็็_(ツ)_ส้้้้้้้้้้้้้้้้
"Leute kaufen Sachen, die sie nicht brauchen, mit Geld, dass sie nicht haben, um Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen."

Zu monieren, was Arbeitslose die Steuerzahler kosten, ist, wenn man bedenkt, was uns Kriege & Banken kosten, als würde man einen Moskitostich am Arm beheulen, während Dracula seine Zähne tief am Hals versenkt.

Offline Simona1978

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #6 am: 08. März 2012, 07:03 Uhr »
@antikrik           wieso Medikamente ^^  In Mutter Natur (z.B.in meinem Garten) wachsen genug Pflanzen die als Tee und Knolle etc frei Haus in kürzester Zeit das Ende bereiten! Relativ schnell und sicher z.B. Eisenhut. :dontknow:

LG Simona
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Anticrik

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #7 am: 08. März 2012, 08:18 Uhr »
@antikrik           wieso Medikamente ^^  In Mutter Natur (z.B.in meinem Garten) wachsen genug Pflanzen die als Tee und Knolle etc frei Haus in kürzester Zeit das Ende bereiten! Relativ schnell und sicher z.B. Eisenhut. :dontknow:

LG Simona

Nur, weil etwas nicht aus dem Hause Bayer & Co kommt, heißt das nicht, dass das Stöffchen nicht in Gesetzestexten erwähnt wird: In Österreich sind Eisenhutprodukte z.B. nach AMVV verschreibungspflichtig. In D steht das Diterpen-Alkaloid, also der Wirkstoff im Eisenhut zwar weder im BtMG noch im AMG, allerdings, um auf deine Ausweichidee generell einzugehen: im BtMG werden sehr wohl pflanzliche Stoffe (und auch tierische) genannt, denk nur an Cannabis, Opium, psilocybinhaltige (halluzinogene) Pilze oder Khat. Alles Pflanzen und ganz natürlich, aber eben verboten.

Zusätzlich würdest du dir in obigem Falle mit großer Wahrscheinlichkeit noch eine Anzeige im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und/oder eines Landesnaturschutzgesetzes (LNatSchG) einhandeln -die meistverbreitesten Arten des Eisenhuts stehen in Deutschland (bzw. ganz Europa) unter Naturschutz. Normalerweise wird so etwas eher nachlässig behandelt, aber wenn es um Sterbehilfe geht, kann ich mir gut vorstellen, dass die Justiz aus dem Vollen schöpft...

Andere Giftpflanzen/-teile sind dagegen leichter und legaler zu beschaffen -man muss nicht zwangsweise zu etwas als "Giftpflanze" deklariertem greifen. Der schönste Tod muss aber nach wie vor der CO-Intox sein -natürlich sollte man das Warnschild an der Tür für eventuell eintreffende Rettungskräfte nicht vergessen...

Desweiteren stünden immer noch die §§211f StGB im Raum -wobei hier im Zweifelsfall aufgrund der Tatsache, dass Gift verabreicht wurde, §211 in gefährliche Nähe rückt...

Offline Simona1978

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #8 am: 08. März 2012, 12:24 Uhr »
Was hältst du von Sauerstoff (Luft) oder reinem Alkohol Injektionen in die Vene?
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Nescius

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #9 am: 08. März 2012, 13:36 Uhr »
Führt diese Diskussion bitte privat weiter.

Offline Simona1978

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #10 am: 08. März 2012, 13:39 Uhr »
Sorry............. :ooops:
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Nescius

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #11 am: 08. März 2012, 13:41 Uhr »
Ich hoffe, ihr versteht, warum. ;)

Anticrik

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #12 am: 08. März 2012, 16:44 Uhr »
Ich würde mich dazu eh nicht äußern. Über die Letalität von etwas zu reden ist die eine, über Anleitungen zur Tötung die andere Sache.

Offline Celsus

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #13 am: 09. April 2012, 11:39 Uhr »
Zitat
„Berlin - Das von der Bundesärztekammer in ihrer Muster-Berufsordnung festgelegte strikte Verbot für Ärzte, "Hilfe zur Selbsttötung zu leisten", ist heute in einem Musterprozess durch das Verwaltungsgericht Berlin (VG 9 K 63/09) gekippt worden.

 

Nach dieser heutigen Entscheidung ist ein derartiges generelles und ausnahmsloses Verbot mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Es muss Ärzten gestattet sein, in Ausnahmefällen eine ihrem Gewissen entsprechende Entscheidung zu treffen, die von diesem Verbot abweicht. Dies bedeutet, dass Ärzte in Ausnahmefällen Beihilfe zum Suizid leisten dürfen, ohne damit gegen das Berufsrecht zu verstoßen.“
In einer humanen Welt dürfte es selbst dann keine Tierfolterei durch die Wissenschaft mehr geben, wenn es begründete Hoffnungen auf echte Fortschritte durch quälende Tierversuche für die Krebsbekämpfung gäbe. Aber nichteinmal das gibt es.
Prof. Julius Hackethal

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Offline Ebony

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Re: Sterbehilfe / Euthanasie
« Antwort #14 am: 24. August 2012, 20:03 Uhr »
Ich hole diesen thread mal wieder hervor.
Zitat von Ralik:
Zitat
Das ist furchtbar, dass das, was Menschen wollen und für sich festlegen, nicht akzeptiert wird.

Ich kenne auch umgekehrte Fälle: Eine alte Frau, die ins Koma fiel. Sie hatte viele Kinder, auch Ärzte darunter, die sich übrerwiegend dafür aussprachen, die Geräte abzustellen, nur ein oder zwei Kinder waren dagegen - es gab keine Patientenverfügung. Die Ärzte weigerten sich und die Patientin erwachte nach einigen Wochen wieder. Sie hatte einen leichten Hirnschaden, war aber z.B. noch in der Lage Kreuzworträtsel zu lösen. Sie lebte noch ca. 5 Jahre in einem Altenheim.

Das ist sicher ein Extremfall, aber wer will da eine Entscheidung treffen?...

...Ebenso ist es umgekehrt krass bei Menschen, die schwerst und unheilbar krank sind und aus dem Leben scheiden möchten und nicht können und nicht dürfen...

Die Entscheidung muss man selbst treffen und da gibt es nur eines: Rechtzeitig eine Patientenverfügung hinterlegen (aber so, dass sie im Fall des Falles auch gefunden wird!). An eine Patientenverfügung sind die Mediziner gebunden, denn sie dürfen niemanden gegen seinen Willen behandeln. Das ist Körperverletzung und somit strafbar. Sie dürfen aber einem kranken Menschen nicht einfach lebensverlängernde Therapien verweigern (Eid des Hippokrates).
Die Fallstricke einer Patientenverfügung sind hierzulande weniger juristischer Art, sondern erfordern großes medizinisches Wissen: Ich muss genau festlegen, wann ich nicht mehr am Leben gehalten werden will und wann nicht. Im Zweifel müssen sich Ärzte dafür entscheiden, den Tod des Patienten zu verhindern.
Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch.
Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.