Autor Thema: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit  (Gelesen 7877 mal)

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Offline Ebony

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Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« am: 26. Januar 2012, 13:55 Uhr »
Da in meiner Stadt unter allen Handwerkern der Wohlstand ausgebrochen ist und sie nicht mehr mit Aufträgen belästigt werden wollen, war ich schon des öfteren im Baumarkt. Auf die Frage, ob die Angestellten bei uns im Baumarkt freundlich sind, weiß ich aber keine Antwort. Sie unterliegen nämlich einem interessanten Phänomen, das es mir unmöglich macht mich ihnen zu nähern.

Als ich den Baumarkt betrete, sehe ich einige Menschen in der Weste mit dem Emblem des Baumarktes in emsiger Beschäftigung: Rechts tauschen sich zwei über ihre Urlaubserlebnisse aus, links wird über das Fernsehprogramm diskutiert und am Ende des Ganges mit der Nummer 5a betrachtet einer konzentriert seine Fingernägel.
Zielstrebig steuere ich auf das Regal mit den Tapeten zu und suche mir 10 Rollen des Musters heraus, das zukünftig von den Wänden meines Wohnzimmers herab positiv auf mich einwirken soll. Nun noch schnell den Tapetenkleister. Tapetenkleister? Nicht da. Ich umrunde das Regal: Fehlanzeige. Ich gehe zum nächsten. Von dort lacht mich Lackfarbe von Mitternachtsviolett bis Sonnenaufgangspink an - oder vielleicht auch aus, denn auch hier kein Tapetenkleister. Ich rangiere den beladenen Einkaufswagen rückwärts und ramme mir dessen Unterkante treffsicher mittig ans Schienbein. Ich unterdrücke einen Fluch, was aber gar nicht nötig gewesen wäre, denn als ich nun beschließe, einen Angestellten nach dem Versteck des Kleisters zu fragen, bemerke ich, dass ich mich fast völlig verlassen im unteren Stockwerk des Baumarks befinde. Nur ganz am anderen Ende huscht ein bleicher Mensch ohne Weste mit Baumarkt-Emblem mit zerzaustem Haar und irrem Blick vor sich hinbrabbelnd von Regal 8b zu 9c...

Da fällt mir ein, dass im ersten Stock die Info ist. Ich parke den Einkaufswagen, dessen Rollen trotzig blockieren und meinen rechten Ellbogen zu einem gequälten Knacken veranlassen, neben 'Beschläge' und eile die Treppe hoch. Oben angekommen blicke ich mich suchend um und tatsächlich: In etwa 5m Luftlinie leuchtet einladend 'INFORMATION' und hinter dem Tresen steht eine adrett gekleidete Dame, die unschwer als Angestellte des Baumarktes zu erkennen ist, und blättert versonnen in den ausgelegten Flyern. Ich umrunde den Stand mit dem Schnäppchen der Woche (1 Stück 2,99€, 10 Stück nur 49,99€). Doch als ich von der ersehnten Auskunft nur noch 2m entfernt bin - KEIN MENSCH MEHR DA! Ja, die kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben? Hat sie aber ganz offensichtlich doch, denn weit und breit kein einziger Angestellter des Baumarkts. Weg. Alle weg. Als wäre nie einer dagewesen...

Das Motto des Baumarkts lautet 'Alles in Dingsda', also muss der Tapetenkleister ja irgendwo sein (ist ja schließlich kein Angestellter). Ganz auf mich allein gestellt, gehe ich die Sache nun völlig emotionslos nur nach den Gesetzen der Logik an und begebe mich voller Erwartung ins Tiefgeschoss, Regalreihe 3c 'Klebstoffe'. Im gleichen Augenblick, in dem mein Blick auf die beiden Angestellten vor dem Regal (einer steht auf der untersten Stufe einer Trittleiter, der andere sichert ihn) fällt, sehe ich das Objekt meiner Begierde: Eine ganze Reihe Tapetenkleister! Schnell ergreife ich 3 Päckchen und mache mich auf den Weg zum Einkaufswagen. Mit Stolz kann ich sagen, dass ich noch genau weiss, wo ich ihn abgestellt habe: Unteres Stockwerk, 'Beschläge'.
Als ich da bin, hat das Angestellten-Phänomen meinen Einkaufswagen ergriffen: Er ist weg! Ihn aufzugeben und einfach 10 neue Tapetenrollen zu holen verbietet sich. Erstens habe ich alle Rollen bis auf eine (beschädigte) vorher in den Wagen gestapelt und zweitens (und dies Argument wiegt wesentlich schwerer) steckt in dem Gefährt meine Erinnerungs-D-Mark, die letzte und somit meine einzigste. Also mache ich mich auf die Suche und finde ihn nach nur 10 Minuten im grellen Licht der Lampenabteilung. Hier sieht das Muster der Tapete irgendwie komisch aus. Ich komme ins Grübeln: Sollte ich doch andere Tapeten...?

Plötzlich fängt irgendwas tief in meinem Inneren gefährlich an zu brodeln und steigt langsam aber bedrohlich an die Oberfläche. Kurzentschlossen, um Schlimmes zu verhindern, schnappe ich den Einkaufswagen und ramme ihn mir schwungvoll diesmal ans andere Schienbein. Ein heftiger Fluch ist weithin zu hören, worauf mich 5 Angestellten-Augenpaare vorwurfsvoll anblicken. Im Vorbeigehen werfe ich schnell einige Energiespar-Leuchtmittel mit der niedrigsten Watt-Zahl zu den Tapeten (so bin ich vorbereitet, sollte das Muster bei mir im Wohnzimmer genauso scheußlich wie hier in der Lampenabteilung rüberkommen). Als ich den Wagen auf das Förderband, das die Rolltreppe in Baumärkten ersetzt, geschoben habe, gibt es einen klitzekleinen Ruck, der aber völlig ausreicht, dass mir der Griff in Höhe des Solarplexus gegen den Bauch knallt. Ich verfalle in unnatürliche Starre.
Oben angekommen schleiche ich demütig zur Kasse. Irgendwie fühle ich mich von der fröhlichen Freundlichkeit der Kassiererin vera.....

Dieses Erlebnis liegt nun bereits 8 Wochen zurück, aber immer noch liegen 10 Rollen Tapete, 3 Päckchen Kleister und etliche Leuchtmittel unberührt im Abstellraum: Ich fürchte, dass ich den Gefühlen, die die Beschäftigung mit diesen Gegenständen wieder in mir wachrufen würden, noch nicht gewachsen bin. Soo schlecht sehen die jetzigen Tapeten im Wohnzimmer auch gar nicht aus.   


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Vielen Dank von


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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #1 am: 26. Januar 2012, 18:26 Uhr »
 :smileee: :smileee: :smileee:

Ist das wirklich dir passiert oder hast du die Geschichte irgendwo her?
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Offline Ebony

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #2 am: 26. Januar 2012, 19:01 Uhr »
Hach, du warst noch nie in einem Baumarkt, Pektini. Gib's zu.
Ich bin traurig, dass du mich mit Herrn von und zu Guttenberg in eine Pfanne wirfst  :heult:
Das ist original aus meinem Leben gegriffen und irgendwann musste es mal zu Papier, bzw. zu Bildschirm (ich hab's aber auch mal in einem anderen Forum, das m.E. nicht mehr existiert, gepostet). Ich kann als bekennende 'Selbst ist die Frau' noch so einiges berichten. Willst du die wahre Geschichte lesen "Ich streiche die Decke in meinem Bad"? Das glaubst du auch nicht, wenn du zu den Menschen gehörst, die den Fachmann kontaktieren und hoffen, dass du innerhalb der nächsten zwei Jahre Rückmeldung bekommst... So oder so: Es geht oft nicht alles so glatt, wie geplant. Aber meistens bin ich mit mir als Heimwerkerin zufrieden   :cyclops:
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Offline PinkiePie

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #3 am: 26. Januar 2012, 20:18 Uhr »
Herrliche Story! Kann ich unetrschreiben, genau so!!!

Nur haben sie neuersdings mehrere Infod im Buamarkt meines Vertrauens inkl. Kundentelefon, falls diese nicht besetzt sein sollten... Ich bin mir sicher, dass da niemand rangeht, aber werde es bei meinem nächsten Besuch mal benutzen.  :snickergirl:
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Franz Kafka

Offline nova

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #4 am: 26. Januar 2012, 21:07 Uhr »
Sehr gut!  :korrekt: :grinsehase:


Das Einzige, was ich nicht so toll finde ist "das einzigste"  :P O:-)


Bin gespannt auf weiter Heimwerkerinnen-Storys! Ich kenns aus "meinem" Baumarkt so, dass es zwar eigentlich genug Menschen gäbe, die helfen könnten, diese sich aber permanent schon mit anderen, wesentlich wichtigeren Kunden abplagen müssen.


Und das verstauen und verstauben lassen der dann doch erfolgreich gekauften Waren kommt mir auch seeehr bekannt vor  :cyclops:
... :(

Offline Jule86

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #5 am: 26. Januar 2012, 21:24 Uhr »
Haha, genial!  ;D

Ich bin zur Zeit auch des Öfteren im Baumarkt unterwegs... Da erlebt man schon so einiges. ^^ Ich hab mal 5 Minuten lang einen Mitarbeiter beobachtet, wie er ein Malerflies zusammengerollt hat und dieses abwechselnd als F**** und A******** beschimpft hat, weil es nicht so wollte wie er.  ;D
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Offline Pektini

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #6 am: 26. Januar 2012, 21:26 Uhr »
Hach, du warst noch nie in einem Baumarkt, Pektini. Gib's zu.
Ich bin traurig, dass du mich mit Herrn von und zu Guttenberg in eine Pfanne wirfst  :heult:
Das ist original aus meinem Leben gegriffen und irgendwann musste es mal zu Papier, bzw. zu Bildschirm (ich hab's aber auch mal in einem anderen Forum, das m.E. nicht mehr existiert, gepostet). Ich kann als bekennende 'Selbst ist die Frau' noch so einiges berichten. Willst du die wahre Geschichte lesen "Ich streiche die Decke in meinem Bad"? Das glaubst du auch nicht, wenn du zu den Menschen gehörst, die den Fachmann kontaktieren und hoffen, dass du innerhalb der nächsten zwei Jahre Rückmeldung bekommst... So oder so: Es geht oft nicht alles so glatt, wie geplant. Aber meistens bin ich mit mir als Heimwerkerin zufrieden   :cyclops:

Doch ich war schonmal in einem Baumarkt und weiß dass man dort selten mal jemanden antrifft  ;).
Ich wollte dich nicht kränken, die Geschichte hörte sich so genial an dass sie schon fast unecht wirkte  :smileee:.
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Offline nova

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #7 am: 26. Januar 2012, 21:32 Uhr »
bei uns haben manche (oder alle?) Edekas soooo kleine blöde pi*** Einkaufswägen, da stoß ich mir ständig die Schienbeine dran beim Schieben  :o :boing:  Drecksdinger!
... :(

Offline #Tüte

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #8 am: 26. Januar 2012, 21:38 Uhr »
Super Story! Toller Schreibstil! Danke. Hab' gut gegrinst die ganze Zeit, sogar mehrmals laut gelacht, weil ich mich ständig wiedererkannt habe.  ;D
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ส็็็็็็็็็็็็็็็็็็็_(ツ)_ส้้้้้้้้้้้้้้้้
"Leute kaufen Sachen, die sie nicht brauchen, mit Geld, dass sie nicht haben, um Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen."

Zu monieren, was Arbeitslose die Steuerzahler kosten, ist, wenn man bedenkt, was uns Kriege & Banken kosten, als würde man einen Moskitostich am Arm beheulen, während Dracula seine Zähne tief am Hals versenkt.

Offline Jule86

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #9 am: 26. Januar 2012, 22:24 Uhr »
bei uns haben manche (oder alle?) Edekas soooo kleine blöde pi*** Einkaufswägen, da stoß ich mir ständig die Schienbeine dran beim Schieben  :o :boing:  Drecksdinger!

...pimel? Oder was soll das heißen?  :smileee:
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Ralik

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #10 am: 26. Januar 2012, 22:29 Uhr »
Super Story! Toller Schreibstil! Danke. Hab' gut gegrinst die ganze Zeit, sogar mehrmals laut gelacht, weil ich mich ständig wiedererkannt habe.  ;D
Echt jetzt????

Und ich dachte immer, die in die Ferne schweifenden Blicke über meine Schulter von einigen Baumarkts-Mitarbeitern galten der Suchen nach einer männlichen (=kompetenten) Begleitung...

Die Angelegenheit scheint komplexer.

@Ebony: Warum hab ich nur das Gefühl, ich war bei der Geschichte dabei :smileee:?

Offline PinkiePie

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #11 am: 27. Januar 2012, 01:59 Uhr »
Das erinnert mich wiederum an den Tag, als ich mit 2 Mädels im Baumarkt Dachlatten und passende Spaxschrauben suchte. Als wir also gezielt nach Spaxschrauben und deren Standort fragten, wurden die Augen des Mitarbeiters ganz ganz groß  :lolrofl:
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Franz Kafka

Offline Simona1978

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #12 am: 27. Januar 2012, 06:42 Uhr »
Tja, Pinkie Pie,   weil wohl die meisten der männlichen Welt immer noch glaubt das Frauen beim werkeln nur zum Brotzeit holen,Bier kaufen,vergessene Werkstoffe (genau auf Zettel notiert) nachkaufen oder zum verarschen da sind, nach dem Motto:"Hol mal ein paar "Siemens Luft Haken" ^^

Derweil können wir, wenn es sein muss, unser Zeug auch alles allein schaffen!  :korrekt:

LG Simona   :wave:
Jedermann recht getan, ist eine Kunst die niemand kann!

Offline Celsus

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #13 am: 27. Januar 2012, 11:35 Uhr »
Ja die Suche nach Personal in Baumärkten, aber auch anderswo, kann sich als schwierig erweisen. Das hat jeder sicher schon erlebt. Alles angefangen hat dies mit der "Geiz ist Geil" Mentalität die in den Vordergrund der Knsumenten gerückt ist.
Denn der Verbraucher erwartet ja, das er eine 1 Euro Abteilung auch im Baumarkt vorfindet. So will er die Wasserpumpenzange für 2,50 Euro und den Hammer für 2,- Euro.
Diese Preisstruktur ist er ja von den Lebensmitteldiscounter gewohnt und der stets auf Sparsamkeit bedachte Deutsche
ist darüber ja auch hocherfreut. Stellt sich die Frage ob diese Sparsamkeit in den Genen liegt oder aber ob es sich um eine erworbene Haltung infolge einer Prägung handelt. Ich weiß es nicht, aber auffallend ist dieses feilschen um jeden Euro doch.
Dem Verbraucher scheint nicht klar zusein, das der Hammer für 2 Euro eben nicht den Ansprüchen entspricht, die er davon erwartet. Viel schlimmer, der ganze Hammer stinkt sogar noch erbärmlich. Naja, der schöne schwarze Griff ist ja auch mit PAK
verseucht. Anders kann man Billigmist halt nicht herstellen.
Aber um zum Punkt zu kommen, auch an den Mitarbeitern muß gespart werden. So werden teilweise qualifiziertes Personal gegen 400,- Euro Kräfte ausgetauscht. Das rechnet sich natürlich, jedenfalls für die Betreiber.
Sofern man zwei Mitarbeiter denen man ein Bruttogehalt von ca.1.900 Euro zahlen muß zuzuglich den vom Arbeitgeber zu entrichtenden Nebenkosten durch einige 400,- Euro Leute ersetzt, spart man doch einiges.
Damit verlieren die Baumärkte jedoch an Beratungsqualität, von der Motivation der Mitarbeiter ganz zu schweigen.
Wer nicht für Fachkräfte zahlen will, hat auch keine, so einfach ist das.
Der Mangel an Wissen wird versucht mit albernen Aktionen entgegen zu treten, so zählt nicht eine gute Einarbeitung
von neuen Mitarbeitern oder Auszubildenden sondern, damit besser zu erkennen werden sie in lustige farblich auffällige
Firmenuniformen gesteckt. Damit der Kunde sie besser erkennt. Das tut er in der Tat. Aber ich hätte lieber jemanden, der zwar nur eine Baumarktschild am Hemd trägt, dafür aber die Regeln des Verkaufs beherscht und durch fachliche Kenntnis
statt durch alberne verordnete Kostümierung glänzt. Die katastrophale Mitarbeiterführung, die in diesem Bereich Marktübergreifend angesagt ist, trägt eher zur Demotivation bei als sie das Gegenteil bewirkt.
Ein bedauerlicher Zustand.
Was einer der wenigen festangestellten Verkäufer sicherlich am meisten begeistert, sind jene Leute die selber im Rathaus arbeiten und Freitag Mittag um 12.00 Uhr nach Hause gehen, nachdem sie ihre Kunden wie Dreck behandelt haben und die es dann besonders eilig haben.
« Letzte Änderung: 27. Januar 2012, 11:41 Uhr von Celsus »
In einer humanen Welt dürfte es selbst dann keine Tierfolterei durch die Wissenschaft mehr geben, wenn es begründete Hoffnungen auf echte Fortschritte durch quälende Tierversuche für die Krebsbekämpfung gäbe. Aber nichteinmal das gibt es.
Prof. Julius Hackethal

Offline Jule86

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Re: Im Baumarkt - eine (fast) wahre Begebenheit
« Antwort #14 am: 27. Januar 2012, 12:03 Uhr »
Also ich hab tw. auch schon sehr gute Erfahrungen mit den Mitarbeitern gemacht. Einmal habe ich mir fürs Hamsterheim sehr viele (u. a. sehr kleine) Holzteile zusägen lassen. Da waren sie sehr nett. Der Mitarbeiter hat bestimmt ne Viertelstunde gebraucht, bis er mit allem fertig war. Das find ich mal nen tollen gratis Service. =) Von Hand hätte ich sicher nen halben Tag dafür gebraucht. ^^
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