Autor Thema: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen  (Gelesen 1583 mal)

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Offline #Tüte

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(Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« am: 19. April 2012, 23:07 Uhr »
Hi,

heute hatte ich wieder ein "tolles" Gespräch mit einer netten Person, und da ging es um den Schritt vom Veganen wieder ins Vegetarische.

Keinen angenehmen Gesprächsverlauf entwickelte sich dann in Folge meiner "belehrenden Art", als ich davon sprach, dass es ein allgemeines Schema ist, wenn man konsequent für gut befundene Dinge weiterverfolgen will, aber aufgrund von Bequemlichkeit und der freien Selbstbestimmung sich gönnt lachs oder lapidar mit einer Sache umzugehen, und so Prinzipien zu verwerfen oder wider besseren Wissens zu handeln, weil - und jetzt kommt wohl der Pisacker - die richtige/fundierte Sichtweise auf das Thema bspw. wie Rauchen oder eben auch Veganismus noch nicht entwickelt wurde und an der Stelle einfach der ausreichende Erkenntnishorizont fehlt, den man mit weiterem Zuführen von entsprechenden Informationen unterfüttern kann.

Prompt kam eine vorwurfsvolle Reaktion, als sei ich etwas besseres, ohne das ich das eigentlich so gemeint hatte. Meine Versuche mit dem Vorschlag eines alternativen Themas, wo ich mit der anderen Person ebenso im Abseits stehe, wir also nicht in einer "Du bist besser/schlechter"-Position gegenüberstehen, gingen leider ins Leere.

Jetzt ist für mich die Frage, wie kann man so etwas so formulieren, dass ein Gegenüber sich nicht fühlt wie mit dem Gesicht in die Ecke des Klassensaals gesetzt, mit dem Spitzhut auf?

Das tat mir ziemlich leid, aber den Karren musste ich erst einmal so im Dreck stehenlassen.  :dontknow:
« Letzte Änderung: 19. April 2012, 23:17 Uhr von #Tüte »
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Zu monieren, was Arbeitslose die Steuerzahler kosten, ist, wenn man bedenkt, was uns Kriege & Banken kosten, als würde man einen Moskitostich am Arm beheulen, während Dracula seine Zähne tief am Hals versenkt.

Ralik

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #1 am: 19. April 2012, 23:26 Uhr »
Kann man so was so formulieren, dass sich das Gegenüber nicht unwohlt fühlt? Nein, glaub ich nicht, denn wer mal vegan war, kennt ja all die Argumente. Und wenn man zurück zu vegetarisch geht, hat mat whs. eh schon ein schlechtes Gewissen und kämpft mit sich.

Ich glaub einfach nicht, dass man sich dann 100% wohl mit der Entscheidung fühlt. Und wenn dann noch jemand was sagt, womöglich ein guter Freund... Boah.

Du bist durch Deine bloße Existenz ja schon sowas wie ein Vorbild bis hin zu Ärgernis, weil wandelndes Mahnmal.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand, der mal vegan gelebt hat, es auch noch im Hinterkopf hat wieder zu versuchen. Dann würde ich eher motivieren, was Tolles kochen etc. Unterstützen. Aber komm nicht mit Logik...

Das ist meine Erfahrung. Jeder reagiert wieder anders. Mir fehlt die vegetarische Zwischenstufe und das Mitleid. Ich würde ganz anders empfinden, wenn Du mir so was sagen würdest, wenn ich was Tierliches essen würde...

So gesehen eigentlich positiv, wenn jemand empfindlich reagiert, da er/sie die ethischen Aspekte nicht ausgeblendet hat.

Offline #Tüte

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #2 am: 19. April 2012, 23:52 Uhr »
"Wandelndes Mahnmal" Gefällt mir.  :smileee:

Das könnte gut sein, dass das sensible Reagieren Rückschlusse auf den schweren Stand bei dem "Rückschritt" zulässt. Vor allem, weil da noch diverse Aufzählungen folgten von wegen "Ja, ich weiß, die Kühe werden extra befruchtet, um Milch am Laufen zu halten, Kälber müssen weiterverarbeitet werden, ...". Also ich werde einfach nur weiter das tun, was ich immer mache.

Logik wird vermutlich in so einer Situation der Selbstoffenbarung nie fruchten. Es ist ja eher das Zeigen einer Schwäche, und dann da zuzubeißen als nahestehende Person .... ich sehe schon. Da kann ich auch noch einiges dazulernen. Danke, Ralik. :) :wave:
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Offline Jule86

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #3 am: 19. April 2012, 23:59 Uhr »
Hm. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Veganer, der wieder Vegetarier wird, sich nicht genau im Klaren darüber ist., was er tut. Er kennt die Fakten und wird bestimmte Gründe haben, warum er diesen Schritt geht. Ohne die Gründe zu kennen, ist es schwer, zu diskutieren... Ich würde mit so jemandem ehrlich gesagt überhaupt kein Gespräch zu dem Thema führen.  :dontknow:
"Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel." - Charles Darwin

Offline PinkiePie

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #4 am: 20. April 2012, 00:01 Uhr »
Ich versuchs in so einem Fall gerne mit Annahme. Klingt voll kontraintuitiv, aber ich versuche immer klarzumachen, dass ich die Entscheidung persönlich so nicht selber machen würde, aber respektieren mag, dass der/die anderen diesen Schritt tut.
Sowas baut schonmal eine gewisse Trotzhaltung ab und lässt fürderhin offene und ehrliche Gespräche zu.
Ein paar Wochen später, kann man dann auch mal fragen ob das Ggü eigentlich ein schlechtes Gewissen hat/hatte und wie es praktisch so läuft.
So hat der/die andere auch wieder die Chance einfach Veganer zu werden, wenn gewollt, ohne einen sozialen gesichtsverlust zu erleiden, da er/sie ja schon von vorher weiß, dass ich persönliche Entscheidungen respektiere ;)
Das Glück, das dir am meisten schmeichelt,
betrügt dich am ehesten.

Franz Kafka

Offline #Tüte

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #5 am: 20. April 2012, 00:23 Uhr »
@Jule
Das war auch beim Gespräch noch mein erster Gedanke: kein Gespräch dazu führen. Das kann nur schiefgehen. Hab' es dann leider doch getan.  :dontknow: Ich hatte wohl gehofft etwas bewegen zu können, wo nichts von außen zu bewegen ist. Das muss von innen kommen oder subtil suggerieren, dass es von innen kommt, aber da sind wir wieder bei NLP oder Künsten der Rhetorik oder bei PinkiePie...

@PinkiePie
Ja, das ist hohe Kunst einen Verlauf im Gespräch so zu formen, dass man möglichst alle Tasten gleichzeitig spielt. Den eigenen Standpunkt deutlich nachvollziehbar aufgebaut vertreten und mit gleichem Atemzug den Respekt gegenüber dem freien Willen des Ggü. zum Ausdruck bringen: Das wird schwierig für so einen taktlosen Klotz wie mich, der einfach nur froh ist, sich überhaupt halbwegs verbal artikulieren zu können, aber wo ein Wille, da mindestens ein Weg. Leider ergeben sich solche sensiblen Situationen nur sporadisch, so dass die Übung etwas schwierig ist. Hoffe mein Gehirn hält die Taktik solange abrufbereit vor. :)
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Offline PinkiePie

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Re: (Kontra-)Produktive Gesprächstechniken mit Nichtveganen
« Antwort #6 am: 20. April 2012, 00:32 Uhr »
Einfach immer wieder im Kopf übern. Das ist fast so gut wie soziales Lernen ;)

Und außerdem kann ich das auch nicht immer. Niemand hat sich immer 100% in der Gewalt und überblickt alle potentiellen Gesprächsverläufe! Sieh es als eine Erfahrung. Respekt ggü der anderen PErson kannst Du auch jetzt noch ausdrücken. Für sowas ist es selten zu spät :)
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