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Autor Thema: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten  (Gelesen 14531 mal)

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Offline PinkiePie

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #31 am: 30. April 2012, 22:15 Uhr »
Ich verstehe nicht warum die Intention Unsinn ist... Ich finde auf Misstände in der Demokratie hinweisen zu wollen nicht schlecht erstmal.

Die Aktion soll erstmal kryptisch sein, damit die Menschen sich aufregen, reagieren und polarisieren können. Würden sie von vorne herein alles preisgeben, wäre ein Teil ihres Projektes (die Kommis) nicht mehr machbar und auch das Erreichen einiger Menschen durch auslösen stärkerer gefühle wäre nicht möglich.
Aktionskunst lebt davon, dass sie nur mit einer Erklärung des Künstlers eine genauere Richtung bekommt.

Ich verstehe ehrlich gesagt Dein Problem nicht :dontknow:
Geht es Dir darum, dass Du das Thema anders ausgeschlachtet hättest?
Das Glück, das dir am meisten schmeichelt,
betrügt dich am ehesten.

Franz Kafka

Nescius

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #32 am: 30. April 2012, 22:18 Uhr »
Ich finde auf Misstände in der Demokratie hinweisen zu wollen nicht schlecht erstmal.
Ich auch nicht. Es stehen sich aber die Kritik an der "Demokratisierung" und an einem ungezügelten "Volkssturm", der de facto gar nichts mit der realen als auch mit der theoretischen Demokratie zu tun hat, gegenüber.

Geht es Dir darum, dass Du das Thema anders ausgeschlachtet hättest?
Ersetze "aussgeschlachtet" durch "dargestellt": Ja.
« Letzte Änderung: 30. April 2012, 22:30 Uhr von Nescius »

Nescius

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #33 am: 30. April 2012, 22:31 Uhr »
Warum überhaupt ein Kunst"projekt", wenn die Wirklichkeit die Widerlichkeit und den Zynismus der Gesellschft viel besser abbildet?

Anticrik

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #34 am: 30. April 2012, 23:22 Uhr »
Warum überhaupt ein Kunst"projekt", wenn die Wirklichkeit die Widerlichkeit und den Zynismus der Gesellschft viel besser abbildet?


Weil man die Menschen -ja, ich weiß, also: alle anderen Menschen außer Sie- ersteinmal mit einem Extrem konfrontieren muss, um Sie überhaupt in Bereitschaft, umzudenken, zu versetzen.

Und jetzt  denken Sie nochmal nach: Das Schaf ist ein Mensch. Das ist Fakt. Denken Sie z.B. nur an dieses große Märchenbuch, in dem diese Gleichnisse mit den Schafen stehen. Oder an Redensarten wie "wie ein Lamm, das der Herde nachrennt" oder "ängstlich, wie ein Schaf vorm Schäferhund". Also. Das Schaf ist der Mensch. Basta.

Und nun, wo Sie das geschluckt haben, denken Sie das Projekt einmal etwas anders zu Ende: Also. Zwei Künstler haben sich eine/n junge/n Bürger/in geschnappt und stellen den Rest der Gesellschaft vor die Wahl, ihn/sie entweder zu töten oder am Leben zu lassen. (Gehen wir einfach mal davon aus, dass die Polizei den beiden nicht unmittelbar nach Bekanntgabe die Tür eintreten würde.) Und nehmen wir auch mal an, die Seite der sensationlustigen "Tötet-ihn/sie"-Schreier würde 'gewinnen'.
Was würde dieses Ergebnis über die Gesellschaft aussagen? Und was über diese Form der Demokratie? Was bedeutet es, wenn dieses System, dass sich selbst öffentlich als gerecht und perfekt darstellt, der Sensationsgier den Vorzug gegenüber der Vernunft bzw. dem Gesetz (in beiden Fällen wäre der Tod des Individuums ein Gesetzesbruch) gibt -wenn aus einer demokratischen Wahl ein Volkssturm wird? Ist dann das System daran Schuld oder die Gesellschaft? Oder... oder... oder...



Nescius

  • Gast
Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #35 am: 01. Mai 2012, 10:07 Uhr »
Was mich an dieser Aktion stört, ist vor allen Dingen zweierlei: Das Schaf steht selbstverständlich als Symbol des Menschen und als dieses Symbol repräsentiert es die "Demokratisierung" in z.B. Afghanistan, Irak, Libyen usw.
Und ich kann beides einfach nicht nachvollziehen. Man kann nicht voraussetzen, dass das Schaf bei dieser Aktion einen Mensch repräsentiert. Das steht auch nicht auf der Seite. In dieser Hinsicht ist es umso absurder und geradezu dreist, den Schluss zu ziehen, die Menschen würden über den Tod eines Menschen abstimmen. Umso dreister und unverschämter wird es, wenn unterstellt wird, die Menschen würden über den Tod eines Menschen in einem "zu demokratisierenden" Land abstimmen. Man hält den Menschen einen Spiegel vor, indem man ein Schaf schlachtet? Weder passt der Bezug zur Menschlichkeit noch zum demokratischen Verfahren. Zu behaupten, die Bürger dieses Landes würden die Demokratisierung gutheißen ist einfach nur Unsinn und frei von jeglicher Faktizität. Und noch mal: Nicht die Menschen entscheiden jeden Tag über den Kampf der Demokratie, sondern die von ihnen gewählten Politiker. Und zu behaupten, die "Volksvertreter" würden das Volk repräsentieren, ist nur eine Seite der Medaille.

Zitat von: Imam Rezai
Ich hab als kleines Kind im Iran auch kleine Hühner geschlachtet. Das war lustig. [...]
Nein, das sind einfach alles Spinner und wenn die kommen, dann kriegen sie auf die Fresse, wenn es sein muss. Die sollen kommen, wir sind offen.
(Fett von mir)

Zitat von: Rouven Materne
Würde es gegessen werden, hätte es diesen Sinn, der ja auch in unserem Tierschutzgesetz steht, dass man für einen anerkannten Zweck Tiere töten und leiden lassen kann.
Auf einmal ist das Gesetz also von Bedeutung und Leitfaden der Moralität, oder wie? ::)





Offline Julie4Vegan

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #36 am: 01. Mai 2012, 10:14 Uhr »
100 % Nescius Meinung !!!
Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann.

Offline PinkiePie

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #37 am: 01. Mai 2012, 16:06 Uhr »
Ihr überseht auch den diskursiven Bezug zum Christentum, wo Jesus auch als Lamm Gottes gilt. Dies ist nunmal ein kultureller Grundstein hierzulande.

Das ist ein unglaublich tief konzipiertes Projekt. ich bin ziemlich beeindruckt von den vielen Bezügen, die die beiden da rein gebracht haben.
Ein Tier als Menschen stehen zu lassen, kann man brigens auch als absolut gelebten Antispeziesismus sehen, da beides gleichgesetzt wird. Deshalb stört mich das am wenigsten an der ganzen Sache...
Das Glück, das dir am meisten schmeichelt,
betrügt dich am ehesten.

Franz Kafka

Nescius

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #38 am: 01. Mai 2012, 19:13 Uhr »
Ihr überseht auch den diskursiven Bezug zum Christentum, wo Jesus auch als Lamm Gottes gilt. Dies ist nunmal ein kultureller Grundstein hierzulande.
Ja, das habe ich in der Tat übersehen. Fordernd ist der Schluss dennoch nicht. ;)

Ein Tier als Menschen stehen zu lassen, kann man brigens auch als absolut gelebten Antispeziesismus sehen, da beides gleichgesetzt wird.
Kann man. Ich tue das nicht. ;)

Anticrik

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #39 am: 01. Mai 2012, 19:42 Uhr »
Wenn jeder Mensch fähig wäre, dieses Kunstprojekt zu durchschauen und gut zu finden, wäre das Ziel der Provokation ja verfehlt. Denn wie Sie augescheinlich lesen, unterhalten wir uns immerhin darüber. Und wenn Sie sich die Reaktionen der Mehrheit betrachten, sehen Sie auch, dass die Gegner dieses Projekts im Moment vorne liegen, vermutlich gerade weil überall Aufrufe gestartet werden, gegen die Tötung abzustimmen; alleine in den letzten 12 Stunden sind über 200.000 "Nein"-Stimmen und nur 3000 "Ja"-Stimmen abgegeben wollen. Ich bin durchaus der Überzeugung, dass eben diese Reaktion von den Künstlern erwartet wurde.

Und zu Ihren Zitaten: Ich habe Sie bisher nicht für den Typ gehalten, der Sätze aus dem Zusammenhang reißt, um Ihre Argumente zu stützen.

Zitat von: Iman Rezai
Ich hab als kleines Kind im Iran auch kleine Hühner geschlachtet. Das war lustig. Was heißt lustig, das ist normal. Aber hier, ich bin hier seit 13-14 Jahren in Deutschland. Jetzt ist das nicht mehr lustig.
Zitat
Habt ihr außer diesen Facebook-Kommentaren oder den YouTube-Kommentaren irgendein anderes Feedback oder Kritik bekommen? Standen Leute bei euch vor der Tür? Oder habt ihr blutende Schafsköpfe gefunden?
Iman Rezai: Viele wollten uns umbringen. Telefonnummer und Adresse von mir, meinem Bruder und meiner Familie wurden im Internet von Unbekannten veröffentlicht. Telefonate mit „Wir töten dich“ gibt es wirklich.
Habt ihr Angst?
Iman Rezai: Nein, das sind einfach alles Spinner und wenn die kommen, dann kriegen sie auf die Fresse, wenn es sein muss. Die sollen kommen, wir sind offen.

Zitat von: Rouven Materne
Würde es gegessen werden, hätte es diesen Sinn, der ja auch in unserem Tierschutzgesetz steht, dass man für einen anerkannten Zweck Tiere töten und leiden lassen kann.
Auf einmal ist das Gesetz also von Bedeutung und Leitfaden der Moralität, oder wie? ::)
Nicht auf einmal. Das Gesetz ist immer von Bedeutung. Laut Gesetz ist das Töten eines Menschen strafbar. Das sinnlose Töten eines Tieres auch, also muss das Schaf sinnlos sterben, um auch juristisch auf jeden Fall an den Menschen angenähert zu sein.

Offline PinkiePie

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #40 am: 01. Mai 2012, 20:10 Uhr »
Ein Tier als Menschen stehen zu lassen, kann man brigens auch als absolut gelebten Antispeziesismus sehen, da beides gleichgesetzt wird.
Kann man. Ich tue das nicht. ;)
Dann lkannst Du aber nicht gleichzeitig fordern, dass das Projekt dem Antispeziesismus dienen soll... Das tut es ja schon, indem es z.B. die Rechtsgrundlage des Menschenmordes und Tiermordes auf eine Ebene stellt und damit die gesellschaftliche Doppelmoral entlarvt, die dieses eben nicht tut. Deshalb auch der Verweis auf Moralität beim Tiergesetz, da es für Menschen schon in den gängigen Moralvorstellungen enthalten ist...
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Franz Kafka

Offline Julie4Vegan

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #41 am: 02. Mai 2012, 09:36 Uhr »
 ::)  Die wollen doch nur PR machen ...
Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann.

Nescius

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #42 am: 02. Mai 2012, 15:20 Uhr »
Und zu Ihren Zitaten: Ich habe Sie bisher nicht für den Typ gehalten, der Sätze aus dem Zusammenhang reißt, um Ihre Argumente zu stützen.
Ich reiße nichts aus dem Zusammenhang. Ich zitiere Sätze, die repräsentativ sind und den Gesamtzusammenhang nicht verfälschen.

Nicht auf einmal. Das Gesetz ist immer von Bedeutung. Laut Gesetz ist das Töten eines Menschen strafbar. Das sinnlose Töten eines Tieres auch, also muss das Schaf sinnlos sterben, um auch juristisch auf jeden Fall an den Menschen angenähert zu sein.
Indem beide das Schaf als Repräsentant benutzen, zeigen sie ihren tiefen Speziesismus auf. Das ist auch keine Kritik an dem Gesetz, denn dasselbe wird ja nicht infrage gestellt:
Zitat
Würde es gegessen werden, hätte es diesen Sinn, der ja auch in unserem Tierschutzgesetz steht, dass man für einen anerkannten Zweck Tiere töten und leiden lassen kann.
.
Aber beide wollen sich ja explizit, nach eigener Aussage, von diesem „Sinn“ distanzieren. Also taugt das „Projekt“ nicht mal als Kritik am Speziesismus.

 
Dann lkannst Du aber nicht gleichzeitig fordern, dass das Projekt dem Antispeziesismus dienen soll... Das tut es ja schon, indem es z.B. die Rechtsgrundlage des Menschenmordes und Tiermordes auf eine Ebene stellt und damit die gesellschaftliche Doppelmoral entlarvt, die dieses eben nicht tut. Deshalb auch der Verweis auf Moralität beim Tiergesetz, da es für Menschen schon in den gängigen Moralvorstellungen enthalten ist...
Ich behaupte, dass das „Projekt“ überhaupt nur als antispeziesistisches Projekt Sinn macht. Denn zu unterstellen, die Menschen würden bei der Abstimmung das Schaf als einen Menschen sehen, ist doch sehr gewagt.
Das Problem an der Sache ist, dass man hinterher alles rechtfertigen und jede Interpretation unterstellen kann. Die ursprüngliche Intention aber kennen nur die beiden Initiatoren. Allerdings werden wir damit nie wissen, was die beiden nun tatsächlich beabsichtigten. Auch Interviews sind nur nachträglich und durch die Geschehnisse beeinflusst. Aber wenn ich einmal davon ausgehe, dass dieses „Projekt“ „tiefes Potential“ in sich birgt und "unterschiedliche Ebenen zusammenführt", so unterstelle ich den Initiatoren eine große Naivität und auch ein Stück weit Dreistigkeit, aus der Abstimmung über ein Schaf eine Abstimmung über einen Menschen zu machen und von dieser Gleichsetzung ausgehend entsprechende Schlüsse zu ziehen.

Anticrik

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #43 am: 02. Mai 2012, 18:35 Uhr »
Ich reiße nichts aus dem Zusammenhang. Ich zitiere Sätze, die repräsentativ sind und den Gesamtzusammenhang nicht verfälschen.
Wie sie es auch drehen. Sie haben Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, die dadurch Ihre These untermauern können.

Indem beide das Schaf als Repräsentant benutzen, zeigen sie ihren tiefen Speziesismus auf. Das ist auch keine Kritik an dem Gesetz, denn dasselbe wird ja nicht infrage gestellt:
Zitat
Würde es gegessen werden, hätte es diesen Sinn, der ja auch in unserem Tierschutzgesetz steht, dass man für einen anerkannten Zweck Tiere töten und leiden lassen kann.
.
Aber beide wollen sich ja explizit, nach eigener Aussage, von diesem „Sinn“ distanzieren. Also taugt das „Projekt“ nicht mal als Kritik am Speziesismus.
Das behauptete ich auch nicht. Da haben Sie bei ihrem multiplen Grenzkrieg zwei Schützengräben verwechselt.

Nescius

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Re: "Künstler" wollen Lamm mit einer Guillotine töten
« Antwort #44 am: 02. Mai 2012, 18:56 Uhr »
Wie sie es auch drehen. Sie haben Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, die dadurch Ihre These untermauern können.
Natürlich habe ich den Text benutzt, um damit meine Thesen untermauern zu können. Ich habe die Grundaussagen aber nicht verändert.

Das behauptete ich auch nicht. Da haben Sie bei ihrem multiplen Grenzkrieg zwei Schützengräben verwechselt.
Meine Kritik bezieht sich darauf, dass man nicht einfach Moral und Recht (und Ethik) so benutzen kann, wie es einem passt - also mal in Verbindung miteinander und dann wieder nicht. Entweder, sie berufen sich auf das Recht oder eben nicht. Moralität jedenfalls ist nicht an das positive Recht gekoppelt.